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Station 18
Friedhof Annabichl

friedhof annabichl Am 1902 eröffneten Friedhof Annabichl im Norden der Stadt wurde der Großteil der in Klagenfurt/Celovec während des Nationalsozialismus ermordeten Menschen begraben; vorwiegend in den Feldern I und IV, den damaligen Armengräbern. Die Gräber von etwa 1000 NS-Opfern wurden ganz im Gegensatz zu den Gräbern der dort beigesetzten Militärangehörigen in den Jahrzehnten nach dem Krieg größtenteils aufgelassen, neu belegt und weiter vermietet. Bisher sind etwa 700 Namen der hier beigesetzten Menschen bekannt, vorwiegend waren sie Opfer von Euthanasie und Zwangsarbeit, der Wehrmachtsgerichtsbarkeit oder von NationalsozialistInnen ermordete WiderstandskämpferInnen.

In der Mitte des Friedhofes steht eine 1987 errichtete riesige Gedenkstätte. Unter einem pagodenartigen Holzdach befinden sich Bronzeplatten, auf denen alle Namen der hier begrabenen Militärangehörigen zu lesen sind. Darunter sind unter anderem deutsche, slawische, italienische Namen zu finden. Wer von ihnen für oder gegen die NationalsozialistInnen gekämpft hat, ist dort nicht eruierbar. Hinter dieser Gedenkstätte geht der Militärfriedhof weiter, und führt zu einem weiteren Denkmal: Auf einem großen Stein findet sich ein roter Stern und in kyrillischer Schrift: "Hier ruhen Soldaten der sowjetischen Armee, die während des Vaterlandskrieges 1941-1945 gefallen sind. Ruhet in Frieden". Noch weiter hinten befindet sich ein kleiner englischer Armeefriedhof. Am weiträumigen, tausende Gräber umfassenden Militärfriedhof in Annabichl finden immer wieder großinszenierte militärische Aufmärsche statt. So zum Beispiel jedes Jahr zum 10. Oktober, an dem "dem Kampf um die deutsche Einheit Kärntens gegen die slawische Bedrohung" im "Kärntner Abwehrkampf" 1918-1920 gedacht wird. Bei einer Umgestaltung der Gedenkstätte wurde mehr Platz für diese Aufmärsche gefordert - er entstand indem hunderte Gräber mit Steinplatten übermauert wurden. So feiert die Kärntner Politprominenz und das Bundesheer jährlich den deutschnationalen Sieg über die "slawische Bedrohung" auf den Gräbern von hunderten RussInnen, SerbInnen, SlowenInnen und SowjetsoldatInnen.

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