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Festrede

Geschätzte festliche Versammlung,
sehr geehrte Ehrengäste,
liebe Kameradinnen und Kameraden,
hohe Geistlichkeit,
meine sehr geschätzten Damen und Herren.

Wir, die wir Kriegsteilnehmer waren, bedanken uns mit unserem Hiersein für die Heimkehr. Das ist ein einfacher, kleiner Hinweis mit einem heiligen Inhalt, denn wer das Grauen, die Grausamkeiten eines Krieges erlebt hat und dann heimkehren durfte, viele von denen die heimkehrten waren schwer verwundet, der weiß, was es heißt aus einem so grausamen Krieg entronnen zu sein und mit jenen gemeinsam, die dazu auserkoren waren nach dem grausamsten aller Kriege dieses Land wieder aufzubauen, gemeinsame Sache machen zu können.
Unser heutiger Tag ist ein besonderer, fünfzig Jahre danach aber dabei unvergessen jene Zeit, die wir als Kriegsteilnehmer erleben mussten, jene Zeit wo auch die, die zuhause waren, die Frauen und Kinder, eingebunden sind in dieses unser heiliges Gedenken. Und wir, die wir heute Verantwortung tragen für die Geschehnisse am Ulrichsberg, wir haben eine große innere Genugtuung, dass wir das in dieser Weise und auf diese Art und Weise erleben dürfen. Es ist die Zeit des Erinnerns, aber wenig gibt es zu sagen, was es an schönen Erinnerungen gibt. Krieg ist das Grausamste, was es gibt, für alle, für Unterlegene genauso wie für Sieger. Bei einem Krieg gibt es keine Sieger, sondern immer nur Besiegte und wir haben die Aufgabe den Jüngeren zu sagen, denen die einmal nach uns kommen, wie grausam das alles war und ist und dass wir auf diese Weise einen Beitrag leisten unter Hinweis darauf wie grausam ein Krieg ist, welche große Zahl an Negativerscheinungen zu registrieren ist und was es an Hunger und Not zu berichten gibt. Das müssen wir den Jungen sagen, vielleicht hilft's, dass sie alles tun, neben der Sicherstellung materieller Werte, auch für den Frieden in der Welt und auch bei uns einzutreten. In diese Gedanken des Gedenkens von damals schließen wir alle ein. Wir sind nicht die Richter über die, die uns großen Schaden zugefügt haben - das war ihre Aufgabe, genauso wie es unsere war - ob wir das als Soldaten wollten oder nicht, es war unsere Aufgabe das Kriegsbeil auszugraben, wir mussten das tun - die meisten mit Widerwillen. Und wir schließen in diesen unseren Gedanken auch jene ein, die im Bereich von Partisanen gewesen sind, sie haben auch sterben müssen, es hat ihnen auch weh getan, wir haben aber kein Bedürfnis uns bei jenen zu bedanken, die auf politischer Ebene ihren großen Ehrgeiz setzen auszudrücken, dass es solche und andere gab, dass es Soldaten gab, die möglicherweise Verbrechen begangen haben, dass es Partisanen gab, die für die Freiheit Österreichs sich eingesetzt haben, da haben wir etwas dagegen, denn diese Menschen, die als Partisanen tätig waren, die haben nicht für die Freiheit Österreichs gekämpft, sondern sie haben für ihr eigenes überleben gekämpft. Wir haben das nie beurteilt, der Ulrichsberg war nie eine Auseinandersetzung gegenüber jenen, die als Partisanen gegen Soldaten gekämpft haben. Wir setzen uns nur auseinander mit jenen, die einen Unterschied machen zwischen den Soldaten und denen, die als Partisanen tätig waren. Und da kann man nicht Auszeichnungen machen auf der einen Seite und auf der anderen Seite den Altsoldaten ein Todesurteil ins Haus schicken - geistiger Natur, meine ich natürlich. Und diese Unterstellungen, die gab es und gibt es auf höchster politischer Ebene und es ist schlimm, wenn eine Präsidentin des Nationalrates ihre Aufgabe darin sieht hier Karten zu verteilen und Partisanen auszuzeichnen, wenn man sie in Ruhe lässt ist auch etwas getan. So meinen wir, dass es ganz gut ist, wenn wir mit aller Deutlichkeit uns von diesen Dingen absentieren, weil es einen Unterschied zwischen unseren, nicht freiwillig übernommenen Aufgaben als Soldaten des Krieges gab und jenen von denen ich bisher gesprochen habe.
Ich nenne ein paar Beispiele, weil es ja eine Gedenkrede sein soll. Dass es Partisanen in einem Krieg gibt ist normal, dass aber am 28. April 1944, also einige Tage vor dem Kriegsende, in Lavamünd, in der Gemeinde in der ich lebe, eine Frau mit ihrem vierjährigen Kind von der Gestapo umgebracht wurde und Partisanen, hundert an der Zahl, in einem Abstand von nicht einmal dreihundert Metern mit ihren Ferngläsern zugeschaut haben und nichts getan haben um für ein freies Österreich einzutreten, das verurteilen wir. Wir verurteilen, dass noch nach dem Kriegsende 1945 Verschleppungen in Südkärnten stattgefunden haben, von Tito-Partisanen, einige hundert an der Zahl, von denen weit über 160 nicht mehr zurückgekehrt sind. Das waren menschenunwürdige Taten, die nach dem Kriegsende 1945 begangen worden sind, da distanzieren wir uns, da wollen wir als gute Kärntner, Österreicher und Europäer nichts mit diesen Dingen zu tun haben.
Und ich könnte noch einige Beispiele nennen, möchte mich aber darauf beschränken zu sagen, dass ich vielleicht doch einen kurzen Ablauf gebe über diese fünfzig Jahre, fünfzig Jahre seit es diese unsere großartige Organisation gibt, die eigentlich am Anfang ihres Bestehens von allen Seiten als gut hingestellt worden ist. Auch damals hat es schon Mitglieder der Waffen-SS gegeben, die am Ulrichsberggeschehen teilgenommen haben - kein Mensch hat sich aufgeregt. Damals schon wussten wir, dass es Disharmonien gibt zwischen den Kriegsteilnehmern und manchen politischen Verantwortlichen in unserem Lande. Das hat sich erhärtet, das ist in der Folge dann zu einem Spielball politischer Auseinandersetzungen geworden. Dann hat es in den letzten Jahren diese Erscheinungen gegeben, die wir heute wieder hier feststellen können, dass Menschen unter Demokratie etwas verstehen, dass man sich vermummt und auf jeden Fall gegen alles dagegen ist, das kann nicht schaden, meinen sie. Aber am Anfang dieser fünfzig Jahre war die großartige Idee die Heimkehr feierlich zu begehen, aufmerksam zu machen, welch unheilvolle Folgen es hat, wenn es einen Krieg gibt, wenn die Hinterbliebenen leiden müssen und das ist uns, wie wir glauben, teilweise oder ganz gut gelungen. Wir haben die Mächtigen dieser Welt für uns gewonnen, wir haben aufmerksam machen können auch durch diese Feiern hier am Ulrichsberg. Und trotzdem hat es Menschen gegeben, die auch in diesen Jahren etwas dabei gefunden haben, die ein Haar in der Suppe zu finden in der Lage gewesen sind, wie sie glaubten, wenn sie darauf aufmerksam machten, dass es falsch sei, damals Anfang der 70er Jahre, die Kärntnerfrage mit den zweisprachigen Ortstafeln wie bekannt zu lösen, dass sie damals diese Menschen von damals, die nichts an den demokratischen Normen und Formen für wichtig halten, dagegen aufgetreten sind, dass es diese Aufstellung von Ortstafeln bei uns gegeben hat - es kam zum grauslichen Ortstafelsturm, der auch hier in den Reden am Ulrichsberg einige Jahre lang einen Niederschlag gefunden hat. Bis 1976 das österreichische Parlament damals durch das Volksgruppengesetz diese Frage geregelt hat. Es hat über zwanzig Jahre keine Negativbegebenheiten gegeben, die Menschen haben akzeptiert, dass zwar eine größere Anzahl von aufzustellenden Ortstafeln vorgesehen war, dass aber nicht alle aufgestellt wurden, weil es nicht möglich war sie dort am Leben zu halten. Die Menschen, die dort lebten haben ihren Ehrgeiz darin gesetzt, die Tafeln sobald sie aufgestellt wurden sofort abzumontieren. Das hat einige Zeit gedauert bis sich die damals politisch Verantwortlichen, zu denen auch ich gehört habe, gesagt haben: Dann lassen wir das, wenn die Bevölkerung absolut dagegen ist, dann werden wir nicht gegen den Strom schwimmen. Es ist dann zu diesen wohlbekannten, unheilvollen Auseinandersetzungen in dieser Frage in Kärnten gekommen, zu denen wir auch hier am Ulrichsberg jeweils unsere Meinung gesagt haben. Und wir sind nicht diejenigen, die heute sagen wir sind die einzigen auf der Welt, die wissen wie das sein muss und wie das geht, aber wir gehören zu denen, die natürlich viele Menschen vertreten, die unserer Meinung sind, ?aber das haben eh die Grünen heut gmacht?. Für alles sind sie nicht verantwortlich, weil alles können sie auch gar nicht.
Aber jedenfalls, sei es wie es sei, wir haben eine gemeinsame Vorgangsweise, Abwehrkämpferbund, Kärntner Kameradschaftsbund, der übrigens in den letzten Jahren die Ulrichsberggemeinschaft geführt hat, sie hoch über den politischen Auseinandersetzungen gehalten hat und dem gemeinsam mit der Ulrichsberggemeinschaft und dem Abwehrkämpferbund größte Bedeutung zukommt. Wir haben in diesem Bereich einen Konsens gebildet, um für allgemeingültige Fragen dieser Art unsere Stimme für die Menschen zu erheben von denen wir glauben, dass wir sie vertreten. Und wir sagen auch eines ganz ehrlich: es kann nicht sein, dass durch sogenannte Kommissionen irgendetwas erfunden wird, wie etwa hier in der Ulrichsbergkapelle, wo eine berühmte soldatische Organisation, nämlich das Khevenhüller Regiment, das bis 1918 bestand hatte, ein Emblem hat und dieses angeblich dem Militär unserer Zeit nahekommt und daher das Militär, das Bundesheer nicht auf den Ulrichsberg gehen soll, das haben diese Leute aus Wien festgestellt, weil hier die Gefahr besteht, dass man das mit einem grauslichen Regiment in Verbindung bringen könnte. Ich stelle richtig: Dieses Regiment, das Khevenhüller Regiment, die sogenannten Siebener war eines der berühmtesten Regimenter im ersten Weltkrieg und niemand wird uns daran hindern dieses Gedenken an dieses Regiment hochzuhalten auch mit einem Mahnmal, mit einer Hinweistafel in dieser Kapelle. Das Bundesheer hat damit überhaupt nichts zu tun, schon gar nicht ist das ein Hinweis auf eine einstige Naziorganisation, weil ja jedem bekannt ist, dass 1918 dieses Regiment aufhörte zu bestehen, aber so geht's halt. Und wir stellen uns schützend vor unser Bundesheer, wir haben höchste Achtung vor unserem Bundesheer und seinen Soldaten, seinen Offizieren, die auch gegenüber den Wiener Stellen in dieser Frage sich haben behaupten können und die sich durchgesetzt haben, nämlich, dass auch sie hier am Ulrichsberg bei unserem Festtag musizieren dürfen und dass die Bundesheerler auch hier heraufgehen können. Das war in Frage gestellt, wenn man sich sowas einmal vorstellt, bei uns ist alles möglich.
Und wenn ich jetzt schon langsam aber sicher zum Ende komme dann eines: Es wird niemandem gelingen das Bundesheer da, den österreichischen Kameradschaftsbund und die Ulrichsberggemeinschaft dort auseinanderdividieren zu können, das wird nicht gelingen - wir haben höchste Achtung vor den Soldaten, die unser Land schützen, wir haben höchste Achtung vor jenen Soldaten, die da oder dort in der Welt draußen tätig sind, friedenserhaltende Maßnahmen setzen und damit einen Beitrag für den Frieden in der ganzen Welt leisten, höchste Achtung vor unserem österreichischen Bundesheer und denen in Europa, die das teilen.

Aber wenn ich schon ein paar Hiebe austeile und nicht haltgemacht habe vor der Präsidentin des Nationalrates, so möchte ich auch an eine Ministerin ein Wort richten: Unsere Außenministerin ist derzeit im Wahleinsatz, das ist ihr gutes Recht, ihre Pflicht, das ist gut so. Aber ich frage sie, warum sie eigentlich uns, den Menschen, die hier leben vorenthält, dass es ein Erkenntnis der europäischen Union und ein ähnliches Erkenntnis der UNO gibt in dem drinnensteht, dass es höchst an der Zeit ist, dass in Österreich der Artikel 7 des Staatsvertrages vollzogen wird, nämlich, dass die zweisprachigen Ortstafeln im gemischtsprachigen Gebiet zur Aufstellung gelangen. Aber da steht noch etwas drinnen und das wird uns, den Bürgern dieses Landes vorenthalten, da steht drinnen: Bevor man ohne Rechtsbasis, wie das derzeit der Fall ist, nämlich ausschließlich durch ein Manövrieren des Verfassungsgerichtshofes in dieser Frage tätig wird, dass man vorher die Bevölkerung in einer besonderen Vorgangsweise zu befragen hat, wenn man schon die Sprache als Grundlage dieser Regelung nimmt, dass man die Bevölkerung zu befragen hat, wie sie sich zu diesen Dingen stellt. Und das es nicht so sein kann, dass man automatisch jene, die slowenisch und deutsch sprechen zur slowenischen Minderheit dazuzählt. Die Zugehörigkeit einer Volksgruppe ist nach europäischen Recht ein Menschenrecht, das kann niemand von sich aus durch ein eigenes Vorgehen so auslegen wie er es gerne hat und wie es ihm passt, sondern da muss man die Menschen befragen, und wenn man das nicht tut, verstößt man gegen die Menschenrechte unserer Zeit - das ist schlimm. Und daher die Frage an eine sehr sympathische Ministerin, was sie eigentlich zu tun gedenkt in dieser Frage, damit wir endlich gescheiter werden und wissen, wie man das machen muss. Im Lot der Zeit, bis zwölfe hat es geheißen müssen wir fertig sein, daher lasse ich einige Dinge, die uns nicht so weh tun weg. Ich möchte nur noch sagen: Wir haben große Freude und Genugtuung, wenn wir zusammenkommen, wir sind nicht das, was uns völlig unwissende junge Leute an den Kopf werfen. Für mich gibt es in der Demokratie nichts Größeres als die Einhaltung demokratischer Prinzipien und Ordnungsgegebenheiten; dazu gehört auch, dass man denjenigen den man nicht mag zuzuhören bereit ist und dass man auch akzeptiert, dass einer einmal womöglich eine andere als die eigene Meinung hat, wenn sie den Normen der Demokratie entsprechen -€ nichts anderes geschieht und daher meinen wir: lasst ab von diesen Dingen, könnt´s demonstrieren soviel ihr wollt's, aber wir lassen uns von diesen Einflüssen nicht von einem von uns als richtig erachteten Weg abbringen. Und so wird es zwar in der Zukunft recht schwierig sein die Ulrichsbergfeiern zu gestalten, weil sie ja viel Geld kosten und weil ja die Bereitschaft uns dabei zu helfen sehr gering ist. Aber nicht, weil es die Menschen nicht wollen, sondern weil sie Sorge haben, dass womöglich ein politischer Koalitionspartner abhanden kommt und daher das Verhätscheln, das Tun gegenüber jenen schwächeren politischen Kreisen, die man möglicherweise einmal bei einer Koalitionsbildung braucht, das ist das ganze, was hier eine Rolle spielt. Und wir wissen, dass es für unsere Feiern deswegen auch problematischer wird, weil die von dieser Feier betroffenen selbst in einem Alter sind, wo sie nicht mehr auf den Ulrichsberg gehen können (fast nicht mehr) und daher diese Frage, weniger eine Frage des Gedenkens, eine Frage für den Frieden, eine Frage für den Weiterbestand der Ulrichsbergfeiern zu sein scheint, sondern eher auf die politische Ebene gedrängt wird und dass das zu einem Kartenspiel für politisch Andersdenkende als die Ulrichsberganhänger zu sein scheint. Mag es sein wie es immer sei, wir grüßen jene, die sich zu dieser Idee des Heimkehrergedenkens europaweit bekennen, wir grüßen jene, die im Unterschied zu uns, nicht in gesicherten Wohnbereichen ihr Leben leben dürfen, sondern die da oder dort in der Welt als Unterdrückte, als Hungernde herumirren, sich nicht helfen können, nicht wissen wie es morgen weiter geht, wir grüßen jene, die füßr den Frieden sich einsetzen und wissen, dass damit die Basis geschaffen wird, dass auch in armen Läündern künftig mehr Wohlstand möglich zu sein scheint. Wenn dem so ist, dann dürfte unser Gruß platziert sein, es dürfte dieser unser Gruß einen, ich möchte fast sagen heiligen, Hintergrund finden und haben, dass wir uns solidarisch fühlen mit sovielen Menschen in dieser Welt. Das soll unser Gruß vom Ulrichsberg in diesem Jahr sein, ich grüße herzlich, bedanke mich für das Zuhören, bedanke mich für das Hiersein. Ich freue mich, dass wir stolz sein köännen auf unseren Ulrichsberg.